Das Spaghetti-Eis

Spaghetti-Eis

Pasta zum Nachtisch- diese recht ungewöhnliche Speisenfolge mag für Profisportler aufgrund deren enormem Kohlenhydratebedarf nicht allzu verwunderlich klingen. Für den kopfschüttelnden Laien hier des Rätsels Lösung- es handelt sich um Spaghetti-Eis.

Diese extravagante Eisspezialität erfreut sich in deutschen Eisdielen so großer Beliebtheit, dass sich das Spaghetti-Eis in Deutschland, Holland und Österreich zum Bestseller unter den Eisbechern etabliert hat. Dabei bedarf es nur weniger Zutaten, was aber dem kreativen Erfindergeist von einst keinen Abbruch tut. Der findige Erfinder, nämlich der Mannheimer Eisfabrikant Dario Fontanella hatte die Idee zu dem Spaghetti-Eis aus einer Laune heraus.

Im Jahre 1969 kam ihm die Idee, Speiseeis einmal in einer anderen, noch nie da gewesenen Form dem elterlichen Familienbetrieb zu präsentieren. Die familiäre Eisdiele war und ist seit der Eröffnung in den dreißiger Jahren sehr traditionsbewusst.

Der gebürtige Venezianer presste dazu Speiseeis durch eine handelsübliche Kartoffelpresse, kreierte darüber eine fruchtige Erdbeersoße und verzierte das Ganze mit weißen Schokoladenspähnen. Fertig war das Spaghetti-Eis! Die Ähnlichkeit zu Bandnudeln mit Tomatensoße im Vergleich zum Spaghetti-Eis war verblüffend. Bis dahin war es aber ein weiter Weg, auf dessen Pfaden es sehr viel an Nerven aber auch Experimentierfreude bedurfte. Anfänglich probierte sich Fontanella mit den Eissorten seiner Landesfarben. Pistazieneis, Zitroneneis und Erdbeereis für die Trikolore Grün, Weiß, Rot. Da zu jener Zeit bunte Nudeln in Deutschland noch unbekannt und damit befremdlich erschienen, wurde diese Idee im Keim erstickt. Vanilleeis war da schon besser geeignet, jedoch durch den damals noch sehr natürlichen Einsatz von echten Vanillestangen auch sehr kostspielig.
Wieder begann die kreative Schaffenspause mit vielen Gehirnwindungen. Rasch war eine adäquate Lösung zur Geburt des Spaghetti-Eis gefunden. Auf einem Bett von Schlagsahne ruhte fortan die halbe Quantität an Vanilleeis, was den Kostenfaktor erheblich neutralisierte. Kindern war die neuartige Leckerei anfänglich suspekt. Beeinflusst von der visuellen Nachbildung verzogen die Kinder regelrecht die Schnute, da sie dahinter gewiss keine Süßspeise sondern „echte“ Spaghetti vermuteten. Durch werbewirksame „Aufklärungsarbeit“ war jedoch, und zwar sprichwörtlich, das Eis schnell gebrochen.
Fontanella hatte weiß Gott nicht damit gerechnet, dass sich seine sponatne Idee zu so einem Kassenschlager entwickeln würde. Unglück im Glück hatte er sich damals sein geistiges Eigentum in Form des Spaghetti-Eises nicht patentieren lassen. Die besagte Eisdiele in Mannheim existiert übrigens immer noch – sogar eine gläserne Manufaktur hat sich daraus gemausert. Und so lassen sich er und die Angestellten gerne über die Schulter schauen, wenn das nächste und sicher nicht letzte Spaghetti-Eis vom Stapel läuft.

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